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Mein FSJ auf der High Spirit Community Farm

High spirit Community Farm – Das Konzept

Ich habe ein Jahr in Great Barrington, Massachusetts verbracht und habe mein Freiwilligendienst auf der High Spirit Community Farm abgeleistet.

High Spirit Community Farm besteht derzeit aus zwei Häusern (life-sharing houses), dem Seekonk Haus, dem Aurora Haus und einer gemeinsamen Farm. Derzeit sind sie dabei, noch ein drittes Haus aufzubauen, um die Einrichtung noch weiter zu vergrößern.

Zusammen mit zwei anderen Freiwilligen, drei Bewohnern mit geistigen Beeinträchtigungen im Alter von 24-31 Jahren (R., B. und W.), unseren beiden Hauseltern und unserem Hund June habe ich im Seekonk Haus gelebt. Man hat in dem Haus durch die relativ kleine Anzahl an Bewohnern ein enges, familiäres Verhältnis. Gefrühstückt und Dinner gegessen wird im Haus zusammen um 8 bzw. 18 Uhr und Mittag isst die ganze Community zusammen im Aurorahaus um 12 Uhr. Gegessen wird übrigens nur organic und weitestgehend lokal von den Farmen aus der Umgebung. So kann jeden Monat immer nur das gegessen werden, was gerade in der Umgebung geerntet wurde.

Aufgaben im Camp

Nach dem Frühstück wird bis zum Mittag auf der Farm gearbeitet. Jeder Bewohner hat seine Aufgaben, die er gerne auf der Farm übernimmt. So hilft man dem einen zum Beispiel beim Füttern und Pflegen der Tiere (Hühner, Schweine, Ziegen und Katzen), ein anderer hilft gerne beim Ausmisten der Ställe und der Dritte bringt den Kompost raus und hilft im Garten, wo sehr viel angebaut und zum eigenen Verbrauch geerntet wird. Die Tierpflege und Farmarbeit soll auf die Bewohner eine therapeutische Wirkung haben und etwas sein, worauf sie stolz sein können.

Am Nachmittag kann jeder Bewohner seinen eigenen Interessen, wie bspw. Schwimmen, Weben, Wandern, in die Bücherei gehen oder Reiten, nachgehen.

Meine Freizeit

Frei hatte ich Mittwochs und Donnerstag-Vormittags, also einen und einen halben Tag pro Woche. Da es in Great Barrington mehrere Life-Sharing Häuser gibt, muss man seinen freien Tag nie alleine verbringen, sondern kann immer jemanden finden, mit dem man seine Freizeit verbringt. Uns stand fast immer ein Community Auto für die Freizeit zur Verfügung. Mit diesem hatten wir ein Meilenlimit von 60 Meilen. So konnte ich dann an diesen Tagen die Umgebung erkunden. In den Berkshires konnte man immer wandern gehen, Konzerte konnte man besuchen, shopping malls waren in der Nähe und auch New York City war mit dem Zug zu erreichen.

Urlaub hatten wir über das Jahr verteilt sechs Wochen. Die Urlaubszeiten waren von unseren Hauseltern festgelegt. Man hatte in der Urlaubszeit die Wahl auf der Farm zu bleiben oder, so wie ich es teilweise gemacht habe, durch die USA zu reisen und neue Ecken zu entdecken.

Auch mit dem ganzen Haus waren wir einmal alle zusammen im Urlaub. Im Februar sind wir dem Winter für eine Woche entflohen und sind nach Marco Island in Florida geflogen. Dort hatten wir alle zusammen eine sehr tolle Woche. Das war eins der Highlights in meinem Jahr.

Mein Fazit

Würde mich jetzt rückblickend einer fragen, ob ich dieses Jahr noch einmal machen würde? Ja, da bin ich mir sicher.

Klar war es sehr viel und teilweise echt anstrengende Arbeit und es gab bei der Arbeit mit den Bewohnern auch immer wieder schwierige Momente, die man dann mit der Zeit aber auch immer besser zu regeln wusste. Trotzdem aber war es ein Jahr, in dem ich viele neue, tolle Menschen kennengelernt, viele schön Momente erlebt, Neues entdeckt, Erfahrungen gesammelt und mich denke ich auch weiterentwickelt habe.

Unsere Bewohner sind mir sehr ans Herz gewachsen. Nachdem ich einige Zeit mit den Menschen mit besonderen Bedürfnissen zusammengelebt habe, habe ich deren Persönlichkeiten kennenlernen können. Ich habe angefangen ihre Beeinträchtigungen so gut wie zu übersehen und sie sind zu echten Freunden geworden.

Ich denke, ich habe nicht nur meine Englischkenntnisse verbessert und durch die Farmarbeit und das Kochen einiges Neues und Praktisches erfahren, sondern auch von den Bewohnern dazu gelernt. Sie haben mir gezeigt, worauf es im Leben wirklich ankommt und dass man sich auch schon über die kleinsten Dinge freuen und dankbar sein sollte. Darüber hinaus habe ich mich in dem Jahr dazu entschieden auch in meinem weiterem Leben in einem solchen Arbeitsfeld zu arbeiten und werde dieses Jahr anfangen, Sonderpädagogik zu studieren.

Ich finde, High Spirit ist ein sehr tolles Konzept. Die Bewohner haben ein wunderbares Leben. Mit der Farm haben sie etwas, auf das sie wirklich stolz sein können und an den Nachmittagen können sie ihre Interessen vollkommen ausleben.

Ich kann einen solchen Freiwilligendienst jedem empfehlen.

2018-06-26T13:32:24+00:00

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