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„Clervaux Trust“ ist eine biodynamische Farm im County North Yorkshire, England für „young people and adults with complex learning and behavioural difficulties “. Neben der Farmarbeit und Tierpflege gibt es verschiedene Workshops wie „green-wood-work“, „pottery“, „textiles“ und „blacksmithing“ welche die Jugendlichen und junge Erwachsenen mit besonderen Bedürfnissen (=students) tagsüber besuchen können. Manche „students“ kommen nur ein/zwei Tage die Woche, andere annähernd jeden Tag. Es gibt ebenso „residential students“, die in der nächsten Stadt in einer betreuten Wohngemeinschaft mit „support worker“ wohnen. Die Farm ist von Montag bis Freitag in Betrieb und das nur tagsüber. Nicht alle Mitarbeiter arbeiten jeden Tag, doch ist das Landteam (zu welchem ich gehörte) die ganze Woche anwesend. Die „students“ erlernen auf der Farm verschiedene Fertigkeiten, sodass sie wieder zurück in das Leben finden können und in Zukunft teilweise selbständig oder mit „support“ wohnen können.

Ich wohnte fünf Minuten entfernt auf einer kommerziellen Farm in einem Cottage, welche von „Clervaux Trust“ gemietet wird. Mit mir wohnte meine deutsche Mitfreiwillige und ein englischer Festangestellter von der Farm.

Jeden Morgen liefen wir zur Farm, sodass wir pünktlich um halb neun ankamen. Dort trafen sich alle Mitarbeiter und es gab eine kleine Morgenrunde, mit Neuigkeiten und Informationen. Die „students“ kamen meistens um neun Uhr.Es gab einen festen Stundenplan für sie und so wussten sie in welchen Workshop sie gehen würden. Montag und Mittwoch ernteten wir für unseren Gemüsestand, der in der nächsten Stadt Darlington in unserem zugehörigen Café und Bäckerei seinen Platz hatte. Jeden Mittwoch und Donnerstag belieferten wir diesen, wie auch das Café mit frischem Gemüse und Obst und Donnerstag lieferten wir zusätzlich Gemüseboxen an Kunden direkt aus. Der Tag war in drei „Sessions“ für die „students“ unterteilt, von 9.00 Uhr bis 11.00 Uhr die erste bis zur „tea break“, die nächste von 11.20 Uhr bis 13.00 Uhr, dann gab es Mittagessen, wessen Vorbereitungen von einem Tutor mit Unterstützung von einem oder mehreren „students“ passierte. Die letzte Session endete um 15:30 Uhr mit „round-up“, wo sich alle versammelten und jeder sein Highlight des Tages erzählen konnte. Ich war fester Bestandteil des Landteams mit meinen zwei Mitbewohnern und unserem Landmanager und wir arbeiteten eine Stunde mehr, bis 16:30 Uhr. Neben dem Ernten gehörte zu unseren Aufgaben die Beete und das Feld zu pflegen, also Unkraut jäten, säen, pflanzen, und auch Rasen mähen und was sonst so auf dem Land anfällt. Von Mittwoch bis Freitag waren wir auch für das Füttern der Tiere zuständig, da die „animale-care-Tutorin“ nur zwei Tage die Woche da war. An den Wochenenden wechselten wir uns zu viert ab die Schweine und Hühner zu versorgen. Wir besaßen 10 Schafe, zwei Ziegen, zwei Esel, drei Schweine und rund 120 Hühner.

Während ich am Anfang noch unsicher mit meinen Aufgaben war, wurde ich im Laufe der Wochen immer sicherer und kam in die Routine. Ich konnte immer fragen, wenn ich etwas nicht verstand, auch mehrmals. Ich lernte viel über die biodynamische Anbauweise und allgemein über die Landarbeit. Ich übernahm teilweise das Ausliefern unseres Gemüses mit unserem Farm-Pick-up und auch Traktor fahren lernte ich. Mit meiner wachsenden Selbstsicherheit in meinen Aufgaben verstärkte sich auch mein Selbstbewusstsein.

Auch mit dem Umgang mit den „students“, für welche ich nicht direkt zuständig war, doch ab und zu mit ihnen zusammen arbeitete und vor allem bei „tea break“ und „lunch“ um mich hatte. In dieser Hinsicht lernte ich mehr über Zwischenmenschlichkeit und andere Fähigkeiten, die man im Umgang mit Menschen braucht.

Dank unserem Manager konnten wir zwei Freiwillige einmal die Woche eine Session von einem Workshop besuchen. So bekamen wir in jedem Workshop einen Einblick und erlebten die „students“ in diesem. Wir erlernten die jeweilige Fertigkeit und lernten jeden Tutor nochmal in seinem Gebiet kennen. Wovon ich auch ziemlich viel mitgenommen habe und nicht nur meine selbstgemachten Sachen.

Da wir das Wochenende frei hatten, abgesehen von einmal im Monat Tiere füttern, nutzten meine Mitfreiwillige und ich diese Tage um so viel wie möglich vom Land zu sehen. Da wir doch sehr ländlich wohnten, war es etwas schwierig in die nächste Stadt zu kommen. Aber sobald man in Darlington war, konnte man das gut ausgebaute Zugnetzwerk nutzen und man kam schnell zu wunderschönen Städten. Da wir nah an der schottischen Grenze wohnten, besuchten wir die Hauptstadt Edinburgh nicht nur einmal. Durch Farmmitarbeiter wurden uns immer Orte weiterempfohlen und bestimmte Veranstaltungen, sodass ich nur sagen kann: Nutzt die Gelegenheit zu Reisen und so viel wie möglich zu sehen und kennenzulernen. Jeden Donnerstag kamen vier (wenn alle konnten) ortansässige Freiwillige auf die Farm und unterstützten unser Landteam. Das war immer eine willkommene Abwechslung und von ihnen habe ich auch viel gelernt.

Mit meiner Mitfreiwilligen habe ich mich sehr gut verstanden und wir teilten unsere Freude sowie die Sorgen über das Jahr miteinander. So war die sehr körperliche Arbeit auf der Farm doch sehr anstrengend am Anfang und auch zwischen drinnen hatte ich Phasen wo ich keine Lust mehr auf die Arbeit hatte. Allerdings sind die Menschen dort so herzlich und sie sind mir alle sehr ans Herz gewachsen, weshalb man doch immer eine positive Sache zur Motivation gefunden hat. Eine große Herausforderung war der Winter, da es sehr kalt wird, wenn man den ganzen Tag draußen arbeitet, obwohl es nicht oft in die Minuszahlen ging. Das war nicht einfach, doch auch dies meisterte ich. Auch die Stimmung der „students“ beeinflusst den Tag, was manchmal auch anstrengend sein kann, wenn ein Student für nichts motiviert ist oder er einem einfach nicht zuhört. Doch darf man das nicht allzu nah an einen heranlassen, das habe ich auch gelernt. Meine Familie und meine Heimat habe ich vermisst, doch genauso hatte ich Phasen wo ich überglücklich war das Jahr zu machen. Ich habe mich persönlich sehr weiterentwickelt, habe meine Selbstständigkeit und Selbstsicherheit ausgebaut und weiß mehr wo ich im Leben stehe. Auch habe ich so viel Freundlichkeit, Verständnis und Hilfsbereitschaft entgegengebracht bekommen, welche ich verstärkt meinen Mitmenschen in Zukunft entgegenbringen möchte. Durch die Arbeit auf der Farm habe ich die Natur mehr zu schätzen gelernt und gemerkt wie faszinierend diese zusammen mit der Tierwelt sein kann. Ich bekam Einblicke anderer Lebensweisen und Lebenseinstellungen, von denen ich etwas für mich mitgenommen habe. Ich schätze nun vielmehr was ich habe, hinsichtlich meiner Gesundheit und Wohlbefinden doch auch meiner mich unterstützenden und liebenden Familie und Freunden, ich nehme nicht mehr so viel als selbstverständlich, denn das ist es nicht.

Ich bin sehr froh dieses Jahr gemacht zu haben und kann nicht glauben wie viel ich davon mitgenommen habe, von Freundschaften über Wissen bis zu wertvollen Erinnerungen.

2018-06-26T13:21:32+00:00

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