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Mein FSJ in der Camphill Special School

Heute vor genau einem Jahr verabschiedete ich mich mit Tränen in den Augen von meiner Familie und flog mit einem eher ungewissen Gefühl aber auch Nervosität auf das was mich, 6380 km von zu Hause entfernt, erwarten wird in die USA an den Flughafen in Philadelphia

Die Ankunft

Ich kann mich noch sehr gut an die Ankunft in Philadelphia und den ersten Eindruck, welcher für mich leider nicht so toll ausfiel, erinnern. Denn leider hat die Airline aufgrund meines Zwischenstopps mein Gepäck in Paris vergessen, weswegen ich erst einmal ein paar Tage ohne meine eigenen Utensilien auskommen musste. Glücklicherweise habe ich aber sofort andere Volunteers und eine Co-workerin, welche uns am Flughafen abgeholt, hat getroffen, die mir netterweise weitergeholfen haben. Auf der Farm angekommen habe ich sofort auch meinen Hausvater, ein anderer langjähriger Co-Worker mit seiner Frau und seinem Kind, sowie ein ebenfalls first year Co-Worker, mit denen ich im Haus wohnen und arbeiten werde, kennengelernt. Alle schienen mir sehr freundlich zu sein, als ich allerdings einige (auch deutsche) Volunteers in meinem Alter traf, war ich dennoch erleichtert, dass ich gleichaltrige Leute, welche auch deutsch sprechen, kennenlernte. Da in meinem Haushalt jede/r aus verschiedenen Nationen kam und zwischen 30 und 40 Jahre alt waren.

Zur „Beaver Farm“

Die Farm, welche zur Camphill Special School gehört, liegt in dem schönen ländlichen Ort Phoenixville. Beaver Farm ist das bekannt als „Transition Program“, also ein Programm junge Erwachsene im Alter von 18 bis 21 Jahren mit Behinderungen. Auf dem Campus befinden sich 4 bewohnbare Häuser, in welchen die Jugendlichen mit Behinderungen (sogeannnten „Students“) zusammen mit Freiwilligen, Langzeit – Freiwilligen und deren Familien wohnen. Jedes Haus hat zudem Autos zur Verfügung. Daneben gibt es ein „Education Center“, in welchem sich eine große Küche befindet und in der jeden Mittag im großen Saal gemeinsam, gekocht von der „Kitchen Crew“, gegessen wird.

Des Weiteren liegen hier die Räumlichkeiten für die Weavery/Pottery (Weber-und Töpferei) Crew, Cleaning Crew, für das Waschen von Hühnereiern, sowie ein Klassenzimmer für den Unterricht der Class Crew. Im Obergeschoss ist zusätzlich eine vollständige Wohnung zur Verfügung gestellt. Und was auf einer Farm natürlich nicht fehlen darf, ist ein Stall mit vielen Farmtieren. Durch eine große Landschaftsfläche, mit Wäldern und einem „Creek“ (Bach) bietet die wunderschöne Natur nicht nur Platz für die Volunteers zum genießen, wandern und entspannen,

sondern auch den 16 Kühen, vielen Schweinen, Schafen, Hühnern und Truthähnen reichlich Auslauf. Auch wird die Fläche genutzt, um neben dem großen Gewächshaus viel Gemüse, Obst, Blumen-und Kräuterbeeten anzubauen.

Denn alle Lebensmittel sind aus biologischem Anbau

meist von anderen Camphills der Umgebung bzw. der Großteil an Fleisch, Gemüse und Obst wird erzeugt von der eigenen Farm. Hauptzweck von Beaver Farm ist es Wohlbefinden und „Ganzheit“ für junge Erwachsene mit Entwicklungsstörungen durch Bildung und Erziehung, erweitertes Familienleben, berufsvorbereitende Programme, sodass sie besser verstanden werden können, sich und ihr Potential vollständig entfalten und bedeutungsvoll am Leben teilhaben können.Die Gemeinschaft vor allem im Arbeitsbereich ist durch die philosphischen Hernagehensweise der Anthroposophie und Heilpädagogik.

Wie schon erwähnt gibt es unter anderem als tägliches Programm, neben viele Events und Feiertagen, eine Morning Crew für jeden Student sowie eine Afternoon Crew. Die Morning Crews in diesem Schuljahr sind: Farm Crew, Garden/Estate Crew, Weavery/Pottery Crew und Kitchen Crew während die Afternoon Crews die Cleaning Crew, Farm Crew, Garden/Estate Crew, Baking Crew, Class Crew, sowie eine Gruppe, welche in einer in der Nähe liegende Bücherei gearbeitet sowie Utensilien für die Farm und manche Häuser eingekauft hat.

Mein Tagesablauf

Mein Tagesablauf begann eigentlich jeden Morgen gleich. Um 7 Uhr habe ich die Students geweckt, den Jugendlichen (je nach Fähigkietsgrad) geholfen sich anzuziehen, Zähne zu putzen und fertig für den Tag zu machen.

Danach einen Student dabei betreut den Tisch für das Frühstück zu decken oder an manchen Tagen war ich zuständig Frühstück für das Haus vorzubereiten. Sowie an den meisten Tagen mit einem Student zusammen die schmutzige Wäsche gewaschen.

Anschließend trafen sich alle zusammen im Wohnzimmer, in welchem der gemeinsame „Morning Circle“ stattfand. Wir besprachen den Tagesablauf mit den Students, sprachen zusammen eine Art Sprechgebet/Morgengebet und sangen gemeinsam, entsprechend der Jahreszeit und dem nächstgelegenen Feiertag, ein Lied bevor wir im Esszimmer zusammen gefrühstückt haben. Danach wurde gemeinsam aufgeräumt und saubergemacht, wobei jede/r der Students entsprechend seiner Fähigkeit einen Teil der Tätigkeiten, wie Tisch abräumen, Spülmaschine einräumen und bedienen, Kompost entsorgen sowie Staubsaugen übernommen hatte. Danach ging es für alle zu ihren eingeteilten Crews. Ich arbeitete jeden Morgen in der Weavery/Pottery Gruppe, was mir unheimlich Spaß machte. Neben dem „eigenen“ Herstellen von wunderschönen Tellern, Tassen, Schüsseln, etc. aus Ton, betreute ich die Students und brachte ihnen die einzelnen Schritte bei.

Ein Teil der Kunsthandwerke aus der Töpferei, wie auch aus der Weberei wird im neu eröffneten online etsy Store verkauft.(https://www.etsy.com/de/people/BeaverFarmCrafts)Es war wunderschön, dass einige Students sich wirklich „frei“ entfalten konnten und auch selber entscheiden durften, welches Produkt sie gerne herstellen möchten. Nach dem gemeinsamen Mittagessen mit der ganzen Community im „Ed Center“ gab es für alle eine 1 ½ stündige „Rest Hour“, welche man als Mittagspause verstehen kann. Anschließend ging es für mich in die Garden/Estate Crew in welcher wir jeden Nachmittag verschieden Aufgaben hatten, von Unkraut jähten, Gemüsebeete errichten, Pflanzen und umpflanzen bis hin zu eigener Erde erstellen und Pfade erneuern. Nach dem Arbeiten in den Crews, fand der Ausklang des Abends im eigenen Haus statt. Hier wurde den Students beim Duschen und der täglichen Hygiene geholfen sowie das Abendessen vorbereitet und nach dem wechselnden Abendprogramm (wie Music Night, Dance Night , Festival Meeting,…) entsprechend bei der Bettroutine unterstützt, sodass alle Students um ca. 20.30 Uhr schlafbereit waren. Somit endete jeder ziemlich anstrengende Tag.

Reisen

Die Ferien bieten die Möglichkeit reisen zu gehen und neue Orte zu erkunden.

So war ich mit einigen Volunteers in Kanada, den Florida Keys und vielen Städten wie New York, Washington D.C., Boston und einigen Nationalparks. Außerdem reiste ich bevor ich nach Deutschland zurückkehrte nach Peru.

Friends, Family und Fazit

Während dem Jahr bin ich sehr oft an meine Grenzen gekommen, hatte Überlegungen abzubrechen und neben Heimweh ziemlich viele Probleme und Unstimmigkeiten mit meinem Hausvater, welcher mir es durch seine Unordentlichkeit, total unorgansiertes Verhalten und „eigene“ Art schwer gemacht hat, mich im Haus wohlzufühlen. Ein Familiengefühl und Zusammenhalt als Team, wie ich es in den anderen Häusern empfunden habe, konnte ich leider in meinem Haus nicht wirklich spüren. Doch durch die Freundschaften, welche ich mit einigen Volunteers, unter anderem auch aus Deutschland, geschlossen habe, bei denen ich mich aussprechen konnte und solchen Freundschaften, die ein Leben lang halten werden, sowie alle anderen Co-Workern auf der Farm, welche unglaublich nett und herzlich sind, meine Crews, die super viel Spaß gemacht haben, und nicht zu vergessen die Students, die einem oft durch Kleinigkeiten zum Lachen gebracht haben

Macht`s Gut! Eure Jule

und durch ihren enormen Willen, Lebensfreude und Fortschritt mir so viel auf meinen weiteren Weg mitgegeben haben – durch all diese Faktoren bin ich unglaublich glücklich und froh, eine solche Erfahrung gemacht zu haben, welche einem keiner nehmen kann, wundervolle Menschen kennengelernt zu haben und zu wissen, dass ich immer wieder an diesen wunderschönen Ort zurückkehren kann.Auch wenn jeder Tag sehr anstrengend ist, man sich an vielen Tagen nach einem „richtigen“ Wochenende in Deutschland zurücksehnt und nur einen vollen Tag pro Woche frei hat, trafen wir uns Volunteers trotzdem oft abends zu nächtlichen „Bonfires“ bei Freunden im Garten.

Ich hätte anfänglich nie gedacht, dass ich Beaver Farm, die Students und Volunteers so sehr vermissen werde, weshalb auch der Abschied sehr schwer fiel. Deshalb kann ich nur jedem empfehlen, den Mut haben, die Erfahrung eines solchen Jahres zu machen.

2018-06-26T13:24:00+00:00

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