Loading...

Gedanken zum Winteranfang

Der Winter.

Die Farben ziehen sich zurück, die Pflanzen vergehen, ihre Früchte sind zu Boden gefallen.

Vor uns steht das kahle Gerüst der Bäume und Büsche.

Die Erde hat ihre Früchte und Samen des Sommers aufgenommen.

In Hitze und Licht waren sie gereift, – Licht und Wärme ziehen nun wie eine Erinnerung in sie ein. Im Schoß der Erde reifen sie zu Keimen für das nächste Jahr.

Die Tiere suchen Schutz und Schlaf im Dunkel des Laubes und in den Höhlen.

Eine Schneedecke legt sich sanft über die Erde; es wird still. Alles glänzt weiß.

Nur die dunklen, grünen Tannen breiten ihre Äste wie Arme aus. Der Wald duftet nach Harz.

Strenger Hagel löst an manchen Tagen die heiteren Wolken ab und in den Wind zieht mit Macht die eisige Kälte. Das Wasser gefriert.

Zapfen hängen wie Schmuck an den Dächern der Häuser. Hinter ihnen blitzen kurz wenige Sonnenstrahlen. Kristalle glitzern und schillern in Farben.

In der Nacht der schwarze Himmel und das funkelnde Netz der prächtigen Sterne.

Die Schale des großen Mondes wiegt sich schon.

Die Menschen bleiben daheim. Jeder kehrt ein.

Die Ernte des Sommers will eingeholt werden und die Sprache der Seele erhört.

Es kommt darauf an, was man aus dem Seelensommer macht.

Die Früchte unserer Erkenntnisse tragen wir zu dem Christuskind.

Es gibt so wunderweiße Nächte

Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Demantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.

Rainer Maria Rilke

2018-04-30T18:14:10+00:00

Leave A Comment