Rudolf Steiner Schule Dietzenbach

Kanu-Überlebensfahrt mit EOS auf der Lahn

Es war im September 2013 und meine damalige 8. Klasse wird demnächst Abitur machen. Ich  bin sicher, dass unsere legendäre Kanufahrt auch bei der Abschlussfeier präsent sein wird – genauso, wie mir die Schüler bei Begegnungen im Treppenhaus immer wieder ein kreatives Hanuta-Gebot zurufen.

Alles begann, wie immer mit unserem EOS-Betreuer, ganz harmlos: Aufwachlied vor den Zelten, zur Kräfigung ‚typical scottish porridge‘ am Morgen (zum Glück langten wir traditionsgemäß alle tüchtig zu, später würde sich herausstellen, weshalb …), Kanu-Einweisung an Land, trockene Klamotten in den Überlebenstonnen verstauen, Boote wassern und los geht’s.

Wir hatten große Freude am Paddeln, manche drehten sich immer wieder im Kreis, es wurde gesungen, Boote gewechselt, geschleust, gelacht und: gehungert. Denn unser EOS-Scout versprach uns nach tüchtigem Paddeln ein leckeres Mittagessen auf dem nächsten Zeltplatz an der Lahn. Deshalb hatten wir nur unsere Trinkflaschen mit Wasser gefüllt,  der Porridge hatte uns gut gesättigt – für ca. drei Stunden. Dann sollten wir auch schon am nächsten Zeltplatz anlanden ..

Nach viereinhalb Stunden machten sich die ersten Schüler gierig über die Brombeerhecken am Flussufer her … nach fünf Stunden wurde ein Überlebens-Hanuta, das die Lehrerin immer und überall dabei hat, meistbietend versteigert. Der Gewinner hatte das beste Angebot gemacht: Er baute das Zelt der Lehrerin während der nächsten drei Übernachtungen auf und ab. Immer wieder hörten wir von unserem EOS-Betreuer den ermutigenden Zuruf, das wir nach der nächsten Biegung da sein müssten. Nach der sechsten Enttäuschung hörten wir auf zu zählen und zu fragen.

Nach sechseinhalb Stunden emsigen Paddelns, das die Gemeinschaft untereinander in Bezug auf Rücksichtnahme und Gruppendynamik unglaublich stärkte, auch wenn dies für die Schüler in diesem Moment noch nicht von Bedeutung war, erreichten wir endlich unsere nächste Übernachtungsmöglichkeit: die Wiese eines Kanuclubs. Unser sehr geschätzter EOS-Betreuer hatte sich mit den Paddelzeiten einfach ein wenig verschätzt und uns alle dennoch motiviert und wohlbehalten ans Ziel gebracht. Emsig machte er sich gleich ans Werk und kochte seine allseits gepriesenen Spaghetti – was auch wiederum einige Zeit dauerte, denn er kochte wie immer mit Liebe und Herz.

An diesem Tag baute dann allerdings nur noch ein Schüler das Zelt auf – der Hanuta-Gewinner … alle anderen schliefen restlos ermattet unter dem wunderbaren Sternenhimmel, alle Köpfe im Kreis nebeneinander, Schlafsack an Schlafsack.

Am nächsten Morgen starteten wir zu unserer zweiten Etappe: Tagesziel – ehrlich – nur zwei Stunden entfernt. Dies glaubte dem EOS-Betreuer allerdings keiner von uns und so stopften wir, aus Erfahrung klug geworden, alle noch vorhandenen Essensvorräte wie Kekse, Schokolade, Salami, Äpfel, Hanutas, Chips, Nüsse, Rosinen … in die Überlebenstonnen. Wir waren für alle neuen Abenteuer gerüstet, aber trockene Klamotten hatte diesmal nur der EOS-Betreuer in der wasserdichten Tonne im Kanu dabei!

In allerbester Stimmung machten wir an diesem Tag auf unserer Kurzstrecke sehr viele Pausen und verteilten alle Köstlichkeiten aus den Tonnen über alle Boote hinweg. Natürlich wurde auch der EOS-Betreuer reichlich bedacht und bei jeder neuen Fahrt mit ihm biete ich seit Jahren immer wieder  sicherheitshalber an, die vor uns liegende Kanu-, Radfahr- oder Wanderstrecke nocheinmal nachzurechnen. Dieser augenzwinkernde running-gag hat uns seit Jahren zusammengeschweißt und jede weitere Fahrt – auch mit meinen anderen Klassen – wurde zu einem fröhlichen und lebenswerten Erlebnis. Im Rückblick der Schüler, war die Erschöpfung schnell vergessen. Es blieben die Erlebnisse des gemeinsamen Helfens, des gegenseitigen Ermutigens,  des Teilens und Schlemmens auf dem Wasser sowie die herrliche Nacht unter dem Sternenzelt – bis heute, noch fünf Jahre später!

Rudolf Steiner Schule Dietzenbach vertreten durch: Martina Fenchel (Klassenlehrerin)
2018-10-18T09:20:06+00:00

Leave A Comment