Reuchlin-Gymnasium Klasse 6a

Unser Landschulheim im Moosenmättle mit EOS – eine Erzählung in Episoden

Wir sind begeisterte EOS Reisende und ebenso Wiederholungstäter, was die Unterkunft angeht. Und so fahren wir immer an den gleichen, uns inzwischen wohl bekannten Ort. Das Moosenmättle.

Vor ein paar Jahren hatten wir aber das Gefühl, das Moosenmättle doch nicht so zu kennen, wie wir es dachten….und das lag nicht nur an den seltsamen Dingen, die die ganze Woche über vor sich gingen. Doch lest selbst die einzelnen Episoden unserer Klassenfahrt:

Episode 1: Geister gibt es doch

Eigentlich begann alles wie immer: Ankunft, Zimmerverteilung, Kennenlernen der Betreuer und erste Spiele, Essen, Freizeit. Doch schon bald merkten wir, dass wir offensichtlich nicht allein waren. Es fehlten Groschen, Gegenstände lagen plötzlich an anderen Stellen, als man sie hingelegt hatte oder verschwanden sogar ganz. Da uns klar war, dass wir es hier mit keinem Einbrecher oder anderem menschlichen Bösewicht zu tun hatten, schwebten bald die wildesten Theorien im Raum, was für ein Geist hier wohl sein Unwesen trieb: ein toter Soldat aus dem Krieg, ein ehemaliger Gefangener, der ausgebrochen und vor Ort verhungert war, oder andere Tote mussten für die mysteriösen Umstände verantwortlich sein. Aber davor zurückschrecken? Nein, nicht mit uns. Es wurden Geistergeschichten erzählt, über die man sich gruseln konnte, nachts wurde versucht, den Geist zu sehen (leider schlief man dabei regelmäßig ein) oder man versuchte, ihn tagsüber aufzuspüren – leider auch ohne erfolgt. Aber dennoch hatten alle viel Spaß und so richtig lustig wurde es, als die Gegenstände dann wieder auftauchten: entweder am gleichen Ort oder aufgeräumt, wo sie hingehörten, oder aber in der Hosentasche, wo man schon ganz oft vorher gesucht und nie etwas gefunden hatte. Spaßig war es allemal. Auch am bunten Abend, als wir wie immer Besuch von Prominenten wie Jorge Gonzales oder amerikanischen Rappern bekamen (die natürlich durch die unschlagbaren Betreuer von EOS verkörpert wurden) und wir neben dem vorbereiteten Programm immer neue Geistereien mitbekamen.

Doch der Geist selbst? Der hat sich nicht gezeigt. Und alles was verschwunden war, tauchte wieder auf. Und auch mit anderen Klassen sind wir ihm nicht mehr begegnet. Aber heißt das wirklich, dass Geister nicht existieren?

Episode 2: Gehe niemals rückwärts

Einer unserer Lehrer hatte seinen Schützlingen immer wieder eingeschärft, aus Sicherheitsgründen niemals, vor allem nicht im Wald, rückwärts zu gehen, damit man nicht hinfalle und sich schmerzliche Verletzungen zuziehe. Wieder einmal erhob der Pädagoge seinen moralischen Zeigefinger und Stimme, als er einen Schüler in ebendieser unerlaubten Fortbewegungsrichtung erblickte, doch galten seine Mahnungen offenkundig nur für Schüler. Selbst nämlich hielt er sich an diesem regnerischen Tag nicht an seine ehernen Grundsätze und kaum hatte er sich zwei Schritte nach hinten bewegt, als eine nasse Baumwurzel plötzlich seinen Weg kreuzte und ihm zum jähen Verhängnis wurde. So langsam er rückwärts gegangen war, so schnell übte er eine sehr unfreiwillige Flugbewegung nach vorne aus, die ihn die Beine in die Luft heben und auf seinem rückwärtigen Gesicht landen ließ. Zur unbändigen Freude der mehrfach Ermahnten musste der Lehrer im wahrsten Sinne des Wortes schmerzlich am eigenen Leibe erfahren, was es heißt, die Anweisungen von Autoritätspersonen zu missachten: Blaue Flecke an edlen Körperteilen sowie ein zerrissener Hosenboden waren der Tribut, den der Sturz forderte. Drum merke: Grundsätze, heißt nicht, sich auf den Grund setzen.

Episode 3: Der Schein trügt

Eine im Allgemeinen in ihrer Klasse als eher als feinsinnig, feingliedrig und zurückhaltend geltende junge Dame hatte sich zum Erstaunen vieler dem Workshop „Waldläufer“ angeschlossen. Wie wunderten sich alle, als dieses elfengleiche Luftwesen doch so gar nichts von ihrem vermeintlich zarten Wesen zeigte. Wie die gefahrensuchenden Buben stürzte sie sich ohne jegliche Scheu vor Wasser, Schlamm oder Tierknochen in die Wildnis. Bewunderung erntete sie, als sie wie ihre Klassenkameraden im Bachlauf stehend, Stöcke, Moosplatten und Schlamm aus dem Bachlauf angelte, um mit fachkundiger Finesse das Ganze zu einem ordentlichen Stauwehr zu schichten. Diese nur äußerliche Prinzessin ohne Erbse erwies sich hierbei von Tag zu Tag mehr als Matschelfe und erntete so den tiefen Respekt ihrer vermeintlich hartgesottenen männlichen Mitwaldläufer, von denen so manch einer sich scheute, mit vollen Händen in den nassen, matschigen Grund zu greifen. Bis auf einen…..das Schlammmonster…

Episode 4: Neue Lebensform entdeckt

Beim Workshop Waldäufer zeigten viele Kinder ihre Naturverbundenheit in einem ganz besonderen Maße: Die einen taten sich beim künstlerischen Umgang mit Naturmaterialien hervor, andere erwiesen sich als Hüttenbaumeister, wieder andere zeigten sich als Wanderer in einer Zwischenwelt. Ganz besonders einer war den Elementen Erde und Wasser besonders zugeneigt und bewegte sich geradezu amphibisch zwischen beiden Lebensräumen hin und her. So dauerte es nicht lange, bis er den Beinamen Schlammmonster bekam. Besondere Freude machte ihm und anderen das Errichten kleiner bis gigantischer Stauwerke, wobei es galt, für die Mitstreiter die richtigen Materialien zu beschaffen und nicht in die Natur gehörende Stoffe aufzuspüren und zur späteren Entsorgung zu sammeln. Hierbei ergründete besagter Baumeister den Grund des anzustauenden Fließgewässers derartig intensiv, dass er bis zur Hüfte im Matsch steckte, um so die notwendige Dichtungsmasse für die Stauwehre zu gewinnen. Hierbei stieß der Aushubexperte für Feuchtgebiete auf eine Radkappe sowie auf einen Autoreifen samt Felge, so dass wir schon mutmaßten, er finde auch bald noch den Motor des offenkundig versunkenen Wagens. Hiervon angespornt und bemüht, das beste Baumaterial für seinen Trupp zu fördern, tauchte der junge Hydraulikspezialist mit wachsendem Enthusiasmus bis zu den Schultern in den besagten Schlamm des Bachgrundes, jedoch konnte er außer Dichtungsmaterial nichts mehr weiteres zutage fördern. Geradezu enttäuscht musste er den Rückweg zur Unterkunft antreten, doch wie groß waren die Augen der Mitschülerinnen und Mitschüler, nicht zuletzt der Lehrer, als sie eine neue Lebensform sich der Herberge nähern sahen: Der „Südschwarzwälder Schlammspringer“.

Es half aber nichts, das amphibische Lebewesen musste der Zivilisation zurückgegeben werden. Der Hinweis der Klassenlehrerin, dass sich alle kurz abwaschen sollten, war in diesem Falle eher zu kurz gegriffen. Auch ein Abwaschversuch in einem Wassereimer schaffte wenig Abhilfe gegen die Schlammmassen, so dass wir kurzerhand zum Gartenschlauch griffen, um zu schauen, was sich tatsächlich unter der amphibischen Deckschicht befand. Der junge Herr der nach und nach unter der Schlammschicht hervorkam, genoss sichtlich auch zur Freude aller Zuschauer die Freiluftdusche mit dem Schlauch, was ihm dann ermöglichte, wenigstens ohne sehr viel Schlamm und dennoch bekleidet den regulären Duschraum aufzusuchen und die Unterkunft nicht in ein Moorbad zu verwandeln.

Wie man sieht, bekommt der Begriff ‚Erlebnispädagogik‘ bei uns eine vollkommen neue Bedeutung. Wir haben sehr viel gelacht bei dieser Fahrt und erzählen uns auch heute noch von den seltsamen Begegnungen, die wir mit ‚außerirdischen‘ Wesen gemacht haben.

Reuchlin-Gymnasium Klasse 6a vertreten durch: Désirée Kirschler und Jörg Dalmatiner
2018-10-18T09:22:31+00:00

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