Philosophie von EOS – Die Vision

Bausteine für eine Kultur des Herzens

Wir leben in einer Zeit der globalen Transformation, des Übergangs der Zeitalter. Die weltweite New Age -Bewegung, das wachsende Netz der zivilgesellschaftlichen Organisationen und die am Horizont auftauchende Generation der „Neuen Kinder“ sind das Wetterleuchten eines epochalen Wandels.
Bei ihrer Gründung (2002) hat sich EOS zum Ziel gesetzt, in diesem Sinne ein Schwungrad zu bilden für eine neue Kultur der Menschlichkeit und des Erlebens.

Vor diesem Hintergrund hat EOS im Laufe der letzten Jahre ein innovatives pädagogisches Konzept – jenseits aller Utopien – entwickelt und erprobt. Unter der Bezeichnung „ERLEBENSPÄDAGOGIK“ sind  die beiden großen erzieherischen Hoffnungsträger –  die Erlebnispädagogik und die Waldorfpädagogik – zu einer neuen pädagogischen Hochpotenz verschmolzen worden.

In diesem Sinne fühlt sich EOS allen Initiativen verbunden, die sich in einem ähnlichen Sinne für einen pädagogischen und kulturellen Aufbruch einsetzen und lädt von Herzen zu einer organisationsübergreifenden Zusammenarbeit ein.

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Die Wurzeln von EOS

Ausgangspunkt für die Gründung von EOS war die Beobachtung, dass der Hunger nach Bildern, Erlebnissen und Grenzerfahrungen v.a. bei jungen Menschen noch nie so vehement war wie heute.

Ab Ende der 80er Jahre haben in erster Linie Sozialpädagogen die Entdeckung gemacht, dass „schwierige“ Jugendliche, die z.B. in die Mühlen einer Gewaltkarriere geraten waren, durch erlebnispädagogische Maßnahmen überraschend wieder aufgebaut und resozialisiert werden konnten. Seit dieser Zeit ist die Erlebnispädagogik weltweit zu einem Silberstreif am Horizont geworden. Auch die jüngsten Ergebnisse der PISA-Studie und die Forschungen über die „Indigokinder“ sprechen unmissverständlich einer erlebnisorientierten, ganzheitlichen Pädagogik das Wort.
Dabei vertritt EOS die Überzeugung, dass es in der Erlebnispädagogik nicht um die schlichte Anhäufung von Erlebnissen, sondern vielmehr um die Kultivierung der Erlebnisfähigkeit geht. In diesem Sinne kann gewissermaßen zwischen der „Haben-Dimension“ des bloßen „Erlebnisses“ und der „Seins-Dimension“ des „Erlebens“ unterschieden werden.

Verschiedene Pädagogen, Philosophen und Schriftsteller können als die Wegbereiter der Erlebnispädagogik (und Erlebenspädagogik) bezeichnet werden – rechts eine kleine Auswahl:

Bedeutende Persönlichkeiten

Einsatzfelder der Erlebnispädagogik

Die Erlebenspädagogik hat inzwischen Einzug gefunden an Waldorf- und Regelschulen (Klassenfahrten, Beratung, Trainings für „schwierige Klassen“…), in die Freizeitpädagogik (Ferienlager…) und Sozialpädagogik (Drogen- und Gewaltprävention); an einer Hochschule wurde sie Bestandteil des internationalen Bachelor-Studienganges für Pädagogik, und in Organisationen, Betrieben und Konzernen finden Team-Trainings nach ihren Prinzipien statt.

Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Potenziale der Erlebenspädagogik noch längst nicht gehoben sind.

Die Aktualität der Erlebnispädagogik

Sie werden gebraucht!

„Man sollte Kinder lehren, bei Nacht allein unter freiem Himmel zu schlafen, in einem Kahn auf das offene Meer hinauszurudern. Man sollte lehren, Luftschlösser statt Eigenheime zu erträumen, nirgendwo sonst als nur im Leben zu Hause zu sein und in sich selbst Geborgenheit zu finden.“ (Hans Dreiske)

Unsere Jugend, an einem historischen Wendepunkt stehend, sucht wie keine andere Generation jemals zuvor nach echten Abenteuern. Der Prozess der Entzauberung und Ernüchterung der modernen Gesellschaft scheint einen Höhepunkt erreicht zu haben. In Scharen strömen die Heranwachsenden in Filme wie „Harry Potter“, „Herr der Ringe“, „Narnia“ oder andere Phantasy-Kultfilme. Hier finden sie, was ihre durstenden Seelen bitter entbehren: herausfordernde und fantasievolle Abenteuer.

Erlebnispädagogen werden verstärkt in folgenden Berufsfeldern eingesetzt:

Etliche Jugendliche leiden an der Banalität der Moderne, der Käseglocke Schule und ihrer öden Kreidepädagogik, den zubetonierten und reglementierten Lebenswelten in unserer Wohlstandsgesellschaft und der medialen „Small-Talk-Kultur“. Sie alle versuchen vor dem Mangel an echten Abenteuern, der grassierenden inneren Leere und tödlichen Langeweile zu fliehen, indem sie sich künstliche Abenteuerwelten erschaffen. Dies zeigt sich in tausenderlei Facetten: vor allem aktuell in der vielbeklagten erhöhten Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen, die als Symptom der galoppierenden Erlebnisverarmung zu verstehen ist.

Die 10 Regeln der „Erlebens-Pädagogik“

Werte die beflügeln…

„Im Dienst an einer Sache oder in der Liebe zu einer Person erfüllt der Mensch sich selbst. Je mehr er aufgeht in seiner Aufgabe, je mehr er hingegeben ist an seinen Partner, umso mehr ist er Mensch. Sich selbst verwirklichen kann er also eigentlich nur in dem Maße, in dem er sich selbst vergisst, in dem er sich selbst übersieht.“ (Viktor Frankl)

Pädagogen, Erzieher und Lehrer fühlen sich seit vielen Jahren alleine gelassen und den überhand nehmenden Problemen nicht mehr gewachsen. Sie spüren, dass die konventionelle Art der Erziehung als überkommenes Modell für die neue Generation zu kurz greift. Zu sehr auf das „schneller, höher, weiter“ messbarer Leistung ausgerichtet, zu einseitig an den blassen intellektuellen Fähigkeitssegmenten und Paukschemata orientiert, scheinen die heutigen Kinder und Jugendliche immer schwerer erreichbar zu sein.

Informationen: Erlebnispädagogik / Erlebenspädagogik hier (Wikipedia)

Als Leitlinien unseres erlebnispädagogischen Handelns gelten folgende Kriterien:

1) HOLISMUS: Das Prinzip der Ganzheitlichkeit soll beispielsweise auch in der Gesamtkomposition einer erlebnispädagogischen Aktivität feststellbar sein. So gehört zu einem vollständigen Erleben neben der vordergründigen Spannung, dem „Kick“ auch die Phase der Entspannung, des Verarbeitens. Ebenso soll beispielsweise auch Wert darauf gelegt werden, dass das erlebnispädagogische Setting als „ästhetisch“ empfunden und genossen werden kann – denn auch der Sinn für Ästhetik spielt in einer ganzheitlichen erlebnispädagogischen Konzipierung eine erhebliche Rolle.

2) „SENSIBILITÄT„: Erlebnispädagogik sollte in unserem Sinne nicht verstanden werden als Bombardement mit einem Trommelfeuer an Sinneseindrücken. Vielmehr soll der Versuch unternommen werden, in einer „schonenden“ Weise die Sensorik zu sensibilisieren. Denn eine harte Gangart der Erlebnispädagogik würde lediglich die Folge haben, dass mittelfristig eine Aushöhlung und Abstumpfung der Sensibilität und Leistungsfähigkeit der Sinne auftreten würde. Vermittlung von wertvollen Erlebnissen (Erlebnispädagogik) und Schulung der Erlebnisfähigkeit (Erlebenspädagogik) ergänzen sich gegenseitig.

3) REFLEXIVITÄT: Ein ganzheitlicher erlebnispädagogischer Lernprozess erfordert auch eine reflexive, intellektuelle Erfassung des Erfahrenen. Erst durch die Bewusstmachung des Erlebten ist der (von Wilhelm Dilthey vorgezeichnete) Erlebniszirkel abgerundet. Nur durch die rationale Erhellung der erlebnispädagogischen Aktivitäten findet eine Verarbeitung des Erlebten statt – was wiederum der Garant für einen Transfer in den Alltag darstellt.

4) „EUCHRONIE“: Wesentlich für das Gelingen einer erlebnispädagogischen Aktivität scheint für uns auch die „Zeitgestalt“ des Ereignisses zu sein. Eine „euchronische“ erlebnispädagogische Aktion sollte wie das rhythmische Atmen zwischen Aktivität und Besinnlichkeit, zwischen „actio“ und „contemplatio“ organisch hin und her pendeln. „Euchronische Erlebnispädagogik“ steht demzufolge für eine „Entschleunigung“ der Erlebnispädagogik, eine Erlebnispädagogik ohne Schleudertrauma, „Actionhopping“ und blindem Aktionismus.

5) KARITATIVITÄT: Besonders die erlebnispädagogische Arbeit mit Jugendlichen bedarf einer zusätzlichen pädagogischen Komponente. Gerade um den wünschenswerten „Jugendidealismus“ zu entfachen, darf sich die erlebnispädagogische Maßnahme nicht in einer egozentrischen „Genussbefriedigung“ erschöpfen. Lustorientierte Spaßpädagogik allein würde die Ressourcen einer erlebnispädagogisch orientierten Jugendarbeit nicht ausreichend ausschöpfen. In Anknüpfung an die „klassische Erlebnispädagogik“ von Kurt Hahn, plädieren wir für eine Aufwertung der Erlebnispädagogik durch die Integration von sozialen, caritativen und humanitären Elementen (erlebnisgesättigte Hilfsprojekte, humanitäre Baueinsätze).

6) GESCHLECHTERGERECHTIGKEIT: Nach wie vor stellt sich die moderne Erlebnispädagogik als Domäne der Männerwelt dar. Weibliche Erlebnisweisen scheinen in der harten Spielart der Erlebnispädagogik kaum Platz zu haben. Aus diesem Grunde geht es um den Versuch, die spezifisch weiblichen Erlebnisweisen, ihr spezifisches Herangehen an Natur- und Bewegungserfahrungen ernster zu nehmen und intensiver zu pflegen.

7) ÖKOLOGIE: Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit sind Kriterien, welche nach unserer Auffassung auch in der Erlebnispädagogik einen hohen Stellenwert haben sollten. Konsequenterweise verbietet sich für die Erlebnispädagogik dadurch ein instrumentalisierender Umgang mit der Natur. Natur ausschließlich als „kostenlose Kulisse“ oder „erweitertes Sportgerät“ für die erlebnispädagogischen Aktionen zu gebrauchen, widerspricht den Prinzipien der Erlebenspädagogik. Kein „harter Tourismus“, Fernreisen und Abenteuerreisen.

8) „LANDSCHAFTS-PHÄNOMENOLOGIE„: Erlebenspädagogik kann auch bedeuten, jede Landschaft in ihrer individuellen Erlebnisqualität differenziert zu erfassen. Eine Höhle bietet ein völlig anderes Erlebnis-Aroma als ein Berg, ein Fluss eignet sich für wesentlich andere erlebnispädagogische Maßnahmen als ein See oder das Meer. Eine Phänomenologie der unterschiedlichen Erlebnissemantik der verschiedenen Landschaftstypen zu entwickeln, hat sich EOS zur Aufgabe gesetzt.

9) ARCHETYPIK: Bislang recht rätselhaft ist die Frage nach der faszinierenden, fast magischen Anziehung von Erlebnispädagogik und Abenteuersport geblieben. EOS versucht diesem Phänomen nachzuspüren und bezog dabei auch die Erkenntnisse der Archetypen-Lehre ein. Womöglich liegt ein Schlüssel für das „Faszinosum Erlebnispädagogik“ darin verborgen, dass manche erlebnispädagogischen Situationen und Settings ein archetypisch urbildliches Muster aufweisen.

10) TRANSPERSONALITÄT: Erlebnispädagogische Aktivitäten führen den Teilnehmer in der Regel an Grenzerfahrungen heran. Persönliche Grenzen werden dabei ausgelotet und neu vermessen. Unweigerlich ist der Erlebnispädagoge dadurch mit Themen der persönlichen Grenzüberschreitung konfrontiert, mit der Dimension des Transpersonalen. Aus der Berührung mit dieser Dimension erhält die Erlebenspädagogik eine zusätzliche spirituelle Tiefe.

Rudolf Steiner und Kurt Hahn

Rudolf Steiner
Rudolf Steiner1861 - 1925
„Ehrfurcht vor dem, was dem Dasein des Kindes vorangeht. Enthusiastischer Hinweis auf das, was dem Kinde nachfolgt. Schützende Bewegung für das, was das Kind erlebt.“
Kurt Hahn
Kurt Hahn1886 - 1974
„Es ist eine Vergewaltigung, Kinder in Meinungen zu zwängen, aber es ist eine Verwahrlosung, Kindern Erlebnisse, durch die sie ihres wahren Wesens gewahr werden, vorzuenthalten.“

Die geistigen Ziehväter der Erlebnispädagogik

Erlebnispädagogik und Waldorfpädagogik gelten als die erfolgreichsten (alternativen) pädagogischen Strömungen des 20. Jahrhunderts. Zwischen dem Leben und Werk von Kurt Hahn und Rudolf Steiner, zwischen der Erlebnispädagogik und Waldorfpädagogik gibt es – bislang wenig bekannte – frappierende Parallelen.
Beispielsweise berichtet eine mündliche Überlieferung davon, dass Rudolf Steiner auf dem Sterbebett auf die Frage „Welche drei Wünsche würden Sie gerne noch verwirklichen?“ geantwortet habe: „Zunächst würde ich das Ruder an den Waldorfschulen zugunsten der künstlerischen (erlebnishaften) Seite herumreißen!“

Nach dem Ersten Weltkrieg zogen sich Hahn und Steiner von der Politik zurück. Steiner versuchte nun auf dem Weg der Erziehung, die Idee der sozialen Dreigliederung und des „ethischen Individualismus“ zu verwirklichen. Ebenso forderte unabhängig davon auch Kurt Hahn die Verwirklichung seiner Idee eines „ethischen Imperialismus“. Beide waren überzeugt davon, dass der Mensch ein nach Grenzerfahrungen strebendes Wesen ist. Kurt Hahn musste im Weltkrieg schmerzlich miterleben, dass junge Menschen ihre Grenzerfahrungen auf dem Schlachtfeld sammelten. Schockiert von dieser Erkenntnis postulierte er, dass die Erlebnispädagogik ein „moralisches Äquivalent des Krieges“ entwickeln und verwirklichen solle, das dem jungen Menschen statt kriegerischer humanitäre Grenzerfahrungen ermöglichen könne.

Als Rudolf Steiner von einem Förderer die Möglichkeit zu einer Schulgründung erhält, kommt es im September 1919 zur Eröffnung der ersten Waldorfschule.
Zur selben Zeit erhält auch Kurt Hahn von einem Förderer, dem früheren Reichskanzler Prinz Max von Baden die Chance, am Bodensee eine eigene reformpädagogische Schule aufzumachen. Ähnlich wie die erste Waldorfschule, die vom Fabrikanten Emil Molt finanziert wurde und speziell die handwerkliche Schulung betonte, verschrieb sich auch die Salemer Schule von Kurt Hahn speziell dieser Aufgabe.
Steiners Gedanke der Waldorfpädagogik und Hahns Ideen der „Erziehung durch Wagnis und Bewährung“ haben heute jedoch weltweite Anerkennung gefunden.

Im Jahre 2002 kam es schließlich am EOS-Institut zu einer konzeptionellen und methodischen Kombination beider pädagogischer Richtungen – unter der Bezeichnung ERLEBENSPÄDAGOGIK.

Die Erlebenspädagogik – Erlebnis oder Erleben

Erleben wir uns zu Tode?

„Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen: einsam, von Ängsten gequält, deprimiert, destruktiv, abhängig – jene Menschen, die froh sind, wenn es ihnen gelingt, jene Zeit totzuschlagen, die sie ständig einzusparen versucht.“ Erich Fromm

Als „Erlebenspädagogik“ wird der Versuch bezeichnet, eine Synthese aus Erlebnis- und Waldorfpädagogik herzustellen. Eine theoretische Grundlegung dazu findet sich in folgenden wissenschaftlichen Werken: „Erlebnispädagogik und Waldorfschulen“, „Erlebenspädagogik

Beim nachfolgenden schematischen Vergleich von Abenteuerpädagogik und Erlebenspädagogik sei betont, dass es hierbei um keine moralischen oder ideologischen Wertungen geht. In diesem Vergleich ist explizit die „Hardcore-Erlebnispädagogik“ angesprochen, der es primär um „Kick & Fun“ geht. Hier wird sie deshalb mit dem Begriff „Abenteuerpädagogik“ bezeichnet.

THEMAABENTEUERPÄD.
(Harte Erlebnispäd.)
ERLEBENSPÄD.
Daseinskategorie nach Erich FrommPositivismus, Empirie, MaterialismusSein: Schulung der inneren Erlebnisfähigkeit
Theoretische WurzelnHaben: Summierung von äußeren ErlebnissenGeisteswissenschaft, Idealismus
MenschenbildBiomedizinisch oder MilieutheoretischTranspersonal, spirituell
StrebungenSensationssuche;  innere Leere, Todessehnsucht und das Verlangen nach „Wiederbelebung“Sinnsuche; innere Fülle, die Lebenssehnsucht und das Streben nach Höherentwicklung
AusrichtungThrill; das Abenteuer dient der LustbefriedigungSkill; das Abenteuer dient der Fähigkeitsbildung
ZielsetzungAbenteuer als Möglichkeit der Befriedigung von subjektiven bis hedonistischen  MotivenAbenteuer als Hilfen zur Reifung und Vervollkommnung der Persönlichkeit
Motive der AbenteuersucheLangeweile, Vergnügungssucht, Lustgewinn, Geltungsbedürfnis, ProfilierungswunschVerwirklichung eines übergeordneten Sinns, einer an Idealen ausgerichten Aufgabe innerhalb eines sozialen Zusammenhangs
InhalteKick-orientierte Aktionen mit hohem „Adrenalin-Faktor“Sanfte, künstlerisch gestaltete Aktivitäten mit innerem Erlebnisgehalt
MethodenTechnische Anleitung, gleichsam wie ein Trainer in einem SportvereinKreative Methoden werden verwendet, um psychisch den Boden für das Erlebnis zu bereiten
SettingNüchterne Ausgestaltung, oft  mit hohem Einsatz technischer Mittel und SicherheitsvorschriftenKünstlerisch, phantasievoll, an Märchen, Mythen, Urbildern oder archaischen Motiven angelehnt
ZeitfaktorAn kurzfristigen Effekten orientiertAuf Nachhaltigkeit angelegt
WirkungSchnell nachlassende Wirkung; danach tritt der Wunsch nach „Dosissteigerung“ auf. Gefahr der SuchtbildungDurch das „homöopathische“ Einsetzen von sinnbetonten oder archetypischen Erlebnissen kann eine Grundsehnsucht im Menschen befriedigt werden.
PrinzipDer Effekt überschwemmt die Psyche; es soll mit minimalem Aufwand maximaler Effekt erzielt werden (z.B.Bungee-Sprung)

Sahnehäubchen-Prinzip: es schwemmt auf.

Der Effekt ist nie größer als die seelische Verarbeitungsmöglichkeit des Teilnehmers.

Vollkornbrot-Prinzip: es sättigt anhaltend und bringt den Verdauungsapparat in gesunde Tätigkeit

Chancen der Entwicklung„Action-Erlebnisse“ bleiben an der Oberfläche der Persönlichkeit. Gut vorbereitet verhelfen sie dem Teilnehmer zu mehr Selbstbewusstsein, Entschlossenheit, Mut, VerantwortungsfähigkeitSinnorientierte Erlebnisse können in die Tiefen der Seele dringen – und  (archetypische) Sehnsüchte befriedigen. Unbefriedigte Grundsehnsüchte hinterlassen in der Seele das Gefühl der „inneren Leere“
Erlebnispsychologische AspekteGefahr der Verflachung (durch sinnlosen Fun) und Abstumpfung (durch Erlebnis-Schocks) der ErlebnisfähigkeitRessourcen zur Vertiefung (durch Sensibilisierung) und Bereicherung (durch sinnhafte, phantasievolle  Erlebnisse) der Erlebnisfähigkeit
Biographischer AspektDer Mensch reift nicht automatisch indem er älter wird. Er kann auch als alter Mensch ein infantiler „Kindskopf“ sein.Indem der Mensch wesenhafte Sehnsüchte erfüllt, reift er. Indem er innere Abenteuer besteht wächst über sich hinaus und wird weise
LebenswegeDer Sensationssucher jagt dem schnellen äußerlichen Erfolg hinterher; er verwechselt Glück haben mit glücklich seinDer Erlebende sucht im inneren Abenteuer (früher: Aventüre des Helden) das Wesen seiner Person, seine eigene Bestimmung zu ergründen.

Erlebnispädagogik und Waldorfpädagogik

Im Schnittpunkt der beiden erfolgreichsten alternativ-pädagogischen Strömungen

„Heilsam ist nur, wenn im Spiegel der Menschenseele sich bildet die ganze Gemeinschaft – und in der Gemeinschaft lebet, der Einzelseele Kraft!“ Rudolf Steiner

Erstaunlich wenig sind bisher die Methoden und pädagogischen Prinzipien der Waldorfschulen aus der Perspektive der Erlebnispädagogik betrachtet worden. Dies ist um so bemerkenswerter als zum einen seit nunmehr über 80 Jahren an den Waldorfschulen in gewisser Weise in „naturwüchsiger Art“ Erlebnispädagogik betrieben wird.

So sind von Rudolf Steiner, dem Schöpfer der Anthroposophie und Begründer der Waldorfpädagogik reichhaltige Anregungen für eine Erlebnispädagogik vorhanden. Bereits 1924 erläutert er beispielsweise den altersspezifischen Unterschied zwischen einem jüngeren und älteren Menschen folgendermaßen: „Der junge Mensch wird gewahr, wenn er beginnt, zur Zivilisation ein Verhältnis zu gewinnen, das er versteht. Und ein richtiger Instinkt sagt ihm, dass dieses Verstehen, dieses denkende Ergreifen auch sein ferneres Schicksal sein soll. Allein mit dem ‚Verstehen‘ lässt sich nicht jung sein. Man kann nur jung sein, wenn man mit vollem Herzen, mit ganzer Seele erlebt, was auf das Verstehen wartet. Und man ahnt als junger Mensch, dass man alt wird, wenn man das Erlebte allmählich in das Verstandene hinüberführt“ (1981, S.126).

Aus diesem Geist heraus schuf er 1919 die Waldorfschule, welche von Anfang an eine wenig bekannte Fülle an erlebnisorientierten Methoden und Mitteln einsetzt(e):

– Waldorfschüler kommen während ihrer Schulzeit in der Regel in den Genuss von mindestens fünf größeren Klassenfahrten. Häufig sind es auch Fahrtenprojekte wie ein Segeltörn, Kajakfahrten, Bergwanderungen oder ähnliches.

– Eine Vielzahl von Praktika gehören zum „Lehrplan“ der Waldorfschule: 7. Klasse: Forstpraktikum, 8. Klasse: Handwerkspraktikum, 9. Klasse: Landwirtschaftspraktikum, 10. Klasse: Feldmesspraktikum, 11. Klasse: Industriepraktikum, 12. Klasse: Sozialpraktikum oder Ökopraktikum, welche normalerweise 1-4 Wochen dauern.

– Der erlebnishafte Bezug zu Natur und Kultur wird schon in der 3. Klasse mit der sogenannten „Ackerbau-Epoche“ und in der 5. Klasse mit der „Hausbauepoche“ geschaffen.

– Die spezielle Würze an der Waldorfschule stellen die verschiedenen Projekte dar: Am Ende der Klassenlehrerzeit stehen meist eine Abschlussarbeit und ein Theaterprojekt an. Ebenso zum Ende der 12. Klasse wird eine Jahresarbeit mit praktischem Anteil und ein Schauspiel, Musical o.ä. einstudiert und gegebenenfalls auch auf Tourneen aufgeführt.

– „Ganzheitlichkeit“ ist an Waldorfschulen kein Feigenblatt, sondern gelebte Realität. Der Anteil der praktisch-handwerklichen (Gartenbau, Schreinern, Schmieden, Elektro, Kupfertreiben, Buchbinden, Schneidern, Weben, Sport…) der künstlerisch-sozialen (Malen, Grafik, Plastizieren, Musik, Chor, Orchester, Eurythmie, Steinmetzen…) und der theoretisch-intellektuellen Fächer hält sich die Waage.

– Auch der Unterricht selbst bevorzugt idealerweise den erfahrungs-, erlebnis- und handlungsorientierten Stil.

– Häufig sind an Waldorfschulen auch soziale und humanitäre Einsätze verankert. Baulager, Feldmessarbeiten und Hilfsprojekte sind keine Seltenheit. Wie an vielen anderen Stellen ist hier eine augenfällige Parallele zu den Ideen von Kurt Hahn, dem „Vater der Erlebnispädagogik“ festzustellen.